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Ehemalige Musiker des Orchesters Weise trafen sich am 1. Montag 1963 im Görlitzer Haus der Jugend, "Schuppen" genannt, der Heimstätte des Manfred-Ludwig- Sextetts. Man jazzte ein biss- hen und fand soviel Spaß an der Sache, dass man beschloss, die Sache im nächsten Jahr zu wiederholen. |
Foto: Ernst-Ludwig Petrowsky, Werner Gasch, Manfred Schulze, Ulrich Türkowsky
Aus dieser eher internen Verabredung wurde schon ab dem Jahr darauf der Pflichttermin für die führenden Jazzbands und -solisten der DDR. Man stellte sich musikalisch vor und fand sich im Anschluss zur Jam Session bis in den frühen Morgen.
Auch die Presse kam an diesem Termin nicht mehr vorbei: Sächsisches Tageblatt v. 12. Januar 1965:
"Imponierender Katzenbeier
Mit Spannung wurde von den Görlitzer Jazzfreunden und -musikern aus der ganzen DDR das Rendezvous der Prominenten 1965 erwartet.
Das offizielle Programm wurde vom Gastgeber, dem Manfred-Ludwig-Sextett, eröffnet. Besonders eine eigene Komposition von Ernst-Ludwig Petrowsky zeigte die ganze Vitalität dieser Gruppe, deren künstlerische Leistung völlig im Glanze des Altsaxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky stand.
Als nächstes hörten wir die Radio-DDR-Studio-Combo mit Eberhard Weise am Piano. Im Gegensatz zum Ludwig-Sextett klingt diese Combo, auch durch die gute Rhythmusgruppe bedingt, nicht so hart.
In der Kühn-Combo präsentierten sich vor allem Pianist und Bassist als hervorragende Rhythmussolisten mit einer erstaunlichen Skala an Ausdrucksmitteln.
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Klaus Lenz bot mit einer eigenen Komposition Ein Nachmittag in Berlin das, was man an seinem Sextett so schätzt: eine gute Trompete und ein bestens eingespieltes Orchester mit großer Farbigkeit, nicht nur in der Technik.
Von den kleineren Gruppen verdienen besonders die Gerhard-Stein-Combo mit ihrer elektrisierenden Musik, die Siegfried-Gärtner-Combo aus Potsdam, die einen der besten Drumsolisten des Abends mitbrachte, und das Reinhard-Walter-Trio Anerkennung. Neben Reinhard Walter am Piano - der Part wurde mit äußerster Sensibilität vorgetragen - zeichnete sich hier auch Wolfgang Schneider aus, der bei der größeren Besetzung noch höheres Können als Drummer bewies.
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Der gefeiertste Solist des Abends war Hubert Katzenbeißer (später Katzenbeier, d.A.) mit seiner Posaune. Wenn er schon mit dem Reinhard-Walter-Trio sein Können zeigte, entfaltete er sich völlig in der Jazzband von Günter Gollasch. Die Gruppe war in ihrer Gesamtheit der absolute Höhepunkt. Es ist schwer zu sagen, was mehr begeisterte, das klangliche Zusammenwirken dieser Gruppe oder die Leistung jedes einzelnen Solisten. |
Den Abschluß des offiziellen Programms bildete wieder eine Görlitzer Gruppe: die Modern Jazz Bigband unter Klaus Lenz. Wie im vorigen Jahr wird sie auch heuer nach einiger Probenzeit von Görlitz aus auf Tournee gehen.
Nach dem offiziellen Programm begann dann eine Jam Session. Hierbei waren die Musiker dann nach Mitternacht fast ganz unter sich. Bei einer Jam Session kommt es immer zu der größten künstlerischen Leistung. Was geboten wurde, war ernsthaftester Jazz. Überall in der DDR, auch im Rundfunk, findet diese Veranstaltung große Anerkennung, nur für die Görlitzer scheint der Jazz nur nebenbei zu existieren."
Nach 1966 scheiterte die Weiterführung der Neujahrs-Jam-Sessions an überzogenen finanziellen Forderungen einzelner Bands und Solisten. |